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Mitgliederversammlung
2005 - Bürgerentscheid ist ein Sieg für die Demokratie
Vorstand der Freien Wähler weist Kritik
in der ESZ zurück - Neuer Wertstoffhof abgelehnt
27.10.2005
Die erste
Vorsitzende Eleonore Wagner berichtete über wesentliche Ereignisse des abgelaufenen Jahres.
Der Abend im Advent war wieder ein voller
Erfolg, auch dank unseres Moderators Georg Reitsberger, der einen historischen
Streifzug durch die Ortschaften unserer Gemeinde unternahm. Wir konnten Ende
Februar einen Scheck über Euro 1.000.- an den Förderverein der
Volksschule Vaterstetten übergeben, der u.a. bedürftige Kindern
mit Zuschüssen bei Klassenfahrten unterstützt.
Im Dezember versuchte die CSU wieder einmal, einen Keil zwischen Georg Reitsberger und die FW zu treiben,
indem behauptet wurde, wir würden im Gegensatz zu unserem GR Reitsberger
weiterhin die Feckl-Plaung ablehnen. Das entsprach nicht den Tatsachen. Woran
wir Kritik üben, sind die Ungereimtheiten des Verkehrsgutachtens, die
bis heute nicht ausgeräumt werden konnten.
Dann der große Paukenschlag, die "Initiative Zukunft planen" (IZp) der CSU:
Offensichtlich hatte die CSU die Reaktion auf diesen im stillen Kämmerlein
ausgebrüteten Plan unterschätzt, der im Gegensatz zu den eigenen
Wahlversprechen steht. Dies führte denn auch sehr schnell zur Gründung
einer Bürgerinitiative,
die mit viel Fantasie und persönlichem Einsatz maßgeblich zur
Ablehnung beitrug.
Da der Plan auch im Widerspruch zu unseren Vorstellungen einer nachhaltigen
und organischen Entwicklung der Gemeinde steht, haben wir die Bürgerinitiative
sowohl personell wie auch finanziell unterstützt sowie in einer Vielzahl
von Presseerklärungen und Leserbriefen auf die öffentliche Diskussion
eingewirkt.
Im nachhinein werden sich die CSU und ihr Bürgermeister wohl die Frage
stellen müssen, ob sie sich mit ihren Wahlversprechen nicht übernommen
haben. Unter dem Motto „wir tun was“ wurde zunächst ein Bürgersaal
mit Hilfe eines Investorenmodells versprochen, was nach der Wahl schnell
wieder vom Tisch war, da im Endeffekt wesentlich teurer als ein eigenfinanziertes
Bürgerhaus. Spätestens zu diesem Zeitpunkt hat man wohl erkannt,
dass man ohne grössere Einnahmen finanziell überfordert wäre.
Zu den Reaktionen auf den Bürgerentscheid
nahm Pressesprecher Herbert Uhl Stellung:
Daß die Verfechter der IZp versuchen, das Ergebnis in ihrem Sinne umzuinterpretieren,
ist man von Politikern ja gewöhnt. Aber wenn vom Kommentator der ESZ
unterstellt wird, "die Mehrheit glaube offensichtlich, sich abkoppeln zu
können von den Problemen im Land sowie von der Entwicklung in der Region",
stellt das die Realität völlig auf den Kopf.
Die Probleme in unserem Land sind Bevölkerungsrückgang, Arbeitslosigkeit,
sterbende Regionen, Verfall und Abriß ganzer Stadtviertel, in unserer
Region dagegen wachsendes Verkehrschaos und Umweltprobleme! Es sind die Verfechter
der IZp, die sich abkoppeln, indem sie diese Probleme ignorieren und weiter
auf den Boom setzen.
Der abenteuerlichen Auslegung, aufgrund des "hauchdünnen Vorsprungs"
hätte "fast die Hälfte der Bevölkerung ... für eine Weiterentwicklung
der Gemeinde gestimmt", könnte man entgegenhalten, daß sich im
Vergleich zur Bundestagswahl rd. 8% der Wähler enthalten haben, so daß
die Zustimmung nur 46% beträgt.
Und zu unterstellen, daß diese 46% alle eine Umsetzung der Initiative
wollten, ist ebenso gewagt: Ein Teil hat wohl nur mit ja gestimmt, weil er
nichts dagegen hat und seiner Partei einen Gefallen tun wollte. Die höhere
Ablehnungsquote bei der Briefwahl deutet darauf hin, daß die massive
Propaganda der CSU in den letzten Tagen vor der Wahl ebenfalls noch einen
Einfluß hatte.
Daß trotzdem viele Bürger, die von der geplanten Bebauung nicht
unmittelbar betroffen wären, mit Nein gestimmt haben, ist ein hoffnungsvoller
Ansatz und ein Sieg für die Demokratie, den auch die Hochglanzbroschüren
der CSU nicht verhindern konnten.
Statt ein knappes, aber bei hoher Wahlbeteiligung entstandenes Ergebnis zu
akzeptieren, wird alleine aus einer angedeuteten Gesprächsbereitschaft
abgeleitet, dass "ein Konsens gefunden werden muss, der die Interessen und
Wünsche der großen Mehrheit der Bevölkerung erfüllt",
worunter man anscheinend die "Weiterentwicklung" der IZp versteht. Bei Feckl
hat man keine Sekunde auch nur einen Gedanken daran verschwendet, ob man
für die Interessen und Wünsche der nicht wenigen Gegner einen Konsens
finden könnte. Die Verfechter der IZp
müssen akzeptieren, dass diese mit dem Ausgang des Bürgerentscheides
vom Tisch ist und nicht weiterentwickelt werden kann.
Ebenso fragwürdig ist das Ansinnen, die Kommunale Finanz- und Investitionskraft
solle durch eine "intelligente Planungspolitik und Ortsentwicklung" wieder
hergestellt werden. Hat man sie nicht durch den leichtfertigen Umgang mit
unseren Steuergeldern selbst aufs Spiel gesetzt? Daß man gar nicht
bereit ist, über andere Wege nachzudenken, zeigen auch Äußerungen
wie "Quasselbude", "konkreter Auftrag" und "begrenzter Rahmen".
Unter solchen Prämissen kann man die Entwicklung einer Gemeinde nicht
planen. Strukturpolitik kann kein Vehikel zum Stopfen von Haushaltslöchern
sein. Mit dem Begriff "Befreiungsschlag" hat der Bürgermeister selbst
zugegeben, dass es hier nur um einen verzweifelten Versuch geht, hochfliegende
Pläne und Versprechungen noch zu retten.
Absurd sind auch Vorwürfe, die Freien Wähler grenzten sich aus.
Genau das Gegenteil ist der Fall!
Die Freien Wähler fordern seit der Bürgermeisterwahl 2001 als einzige
Gruppierung im Gemeinderat ein nachhaltiges Siedlungskonzept.
Es orientiert sich an Leitlinien der Landesregierung und des regionalen Planungsverbands
sowie Gedanken der Agenda 21 und renommierter Städteplaner.
Diese fordern unisono, Zersiedelungstendenzen und einer weiteren Zuwanderung
entgegenzuwirken und die gegenseitigen Beeinträchtigungen von Wohnen
und Verkehr abzubauen.
Die Freien Wähler werden sich auch
weiterhin für eine nachhaltige Siedlungsentwicklung einsetzen und sich
deshalb an allen derartigen Diskussionen aktiv beteiligen. Sie werden sich
aber nicht für Schauveranstaltungen mit einem bereits vorgegebenen Ergebnis
instrumentalisieren lassen!
Den Freien Wählern ist aber durchaus klar, daß wir als Alternative
auch ein klares Konzept für solide
Finanzen brauchen. Obwohl die Parteispitzen in München und Berlin
laufend Sparappelle verbreiten, scheint das noch nicht bis zu den Vaterstettener
Lokalpolitikern durchgedrungen zu sein.
In den letzten Jahren wurde viel Geld vergeudet für freiwillige Leistungen
wie Schulcontainer, Lärmschutzwände und alle möglichen Gutachten,
Luxussanierungen, Fehlplanungen bei den Garagen für Rettungsfahrzeuge
oder der Rathausaufstockung. Rathauskonzerte weiter großzügig
subventioniert, es werden weiter große Pläne für ein Bürgerhaus
geschmiedet, teure Wettbewerbe abgehalten, ein ca. 30 Jahre alter Kindergarten
soll abgerissen und durch einen schöneren ersetzt werden, und dann muß
auch noch ein neuer Wertstoffhof
für sage und schreibe 600.000 Euro her.
Gegen einen anderen Platz wäre, wenn es am jetzigen zu eng wird, ja
nichts einzuwenden, wobei man dann für das Dach weitere 70.000 Mark
in den Sand gesetzt hätte. Aber muß es gleich wieder der modernste
- und natürlich teuerste - im Landkreis sein?
Im Zusammenhang mit der eventuellen Einführung des "Gelben Sacks" hat man zugegeben, daß
die getrennte Sammlung von Leichtverpackungen, Verbundmaterialien und Dosen
aufgegeben wird und die Kosten für die Trennung am Wertstoffhof vom
DSD nicht mehr vergütet werden. Wie es dann zu Mehreinnahmen bei der
Wertstoffvermarktung kommen soll, ist ebenso fragwürdig wie die angeblichen
Überschüsse von 130.000 Euro.
Aber selbst wenn es so wäre, zeigt eine Äußerung des Bürgermeisters
"Der Neubau sei möglich, ohne die Bürger zur Kasse zu bitten" die
gewohnte Dreistigkeit der Politiker: Die Bürger wurden bereits zur Kasse
gebeten! In den letzten zwanzig Jahren haben sich die Gebühren für
die Leerung einer 120l-Tonne verzwölffacht!
Wenn die Kosten wirklich sinken, durch Maßnahmen, die von den Freien
lange Zeit vergeblich gefordert wurden, warum
sollen dann die Bürger nicht endlich eine kleine Entlastung zurückbekommen?
Deshalb sollte man jetzt zumindest abwarten,
wie es mit dem DSD weitergeht und wie sich die Kosten tatsächlich entwickeln,
bevor man erneut Unsummen in den Sand setzt. Aber auch dann wäre eine
sparsamere Lösung und eine Entlastung der Bürger vorzuziehen. Sinnvoll
wäre auch eine zweite Sammelstelle im südlichen Ortsteil, um den
Mülltourismus einzudämmen.