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Neue Studie - Städte brauchen Leitbilder
Kommissionsbericht Demographie veröffentlicht
21.5.2008

Am 2.5.2008 erschien in der FAZ folgender Artikel:

Städte brauchen Leitbilder zur Orientierung
Rüdiger Wiechers plädiert für Kooperationsprojekte


FRANKFURT, 1. Mai. Deutschland steht vor einem gewaltigen Umbruch in der Stadtentwicklung und Raumplanung, seit die Wanderungsbewegungen der Be-völkerung und die Alterung der Gesellschaft unübersehbare Probleme in vielen Städten und Regionen geschaffen haben. Und diese Probleme werden noch wachsen. Davon geht Rüdiger Wiechers aus, Vizepräsident des Deutschen Verbandes für Wohnungswesen und Raumordnung. Unter seiner Leitung ist in Zusammenarbeit mit dem Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung ein 250 Seiten starker „Kommissionsbericht Demographie“ entstanden, der erstmals auf Lösungswege hinweist (F.A.Z. vom 4. April).
In den Städten und Gemeinden ist nach Wiechers Ansicht in den letzten 50 Jahren immer nur wachstumsorientiert im Sinne einer Einbahnstraße gedacht worden. Das habe sich auch in den Planungsüberlegungen der Länder und des Bundes widergespiegelt. Heute aber gehe es um differenzierte Betrachtungsweisen. Die Städte und Gemeinden müssten eigenständige Leitbilder entwickeln, die ihnen helfen, auf ihre jeweiligen Perspektiven offensiv zu reagieren. Deutschland brauche eine Neuorientierung für den Umgang mit der sich weiter ausdifferenzierenden räumlichen Entwicklung. Außerdem sollten individuelle Vorzüge einzelner Regionen Ruhe und Platz in naturbelasseneren Gebieten gegenüber Enge und Hektik in anderen Regionen gegeneinander abgewogen und mit zukunftsfesten Wohn- und Lebensbedingungen erfüllt werden.
In jedem Fall werden sich die Stadtentwicklungen in Deutschland auseinanderbewegen. Wir leben länger, es fehlt hinreichender Nachwuchs und damit altert unsere Gesellschaft, zugleich werden die Menschen aufgrund der Konzentration der wesentlichen, nicht lokal-gebundenen Arbeitsplätze in den Metropolen und Metropolregionen häufiger umziehen. Schon heute liegt die Fluktuationsrate in vielen Wohnquartieren bei 10 Prozent im Jahr -  auch das kommt allmählich den Wanderungsbewegungen nahe, sagte Wiechers, zugleich Stadtrat in Bad Vilbel.
Diese Tendenz werde durch die EU-Politik in der Lissabon-Strategie gestützt und mit einer entsprechenden Förderpolitik unterlegt. Im Mittelpunkt stehen die Schlüsselstandorte der EU, betont Wiechers und weist auf die Metropolregionen von Amsterdam bis Mailand und von Barcelona bis Wien. Es gelte, die „Stärken zu stärken“, um im Wettbewerb mit den beiden Wachstumsräumen Amerika und Asien die EU auf Augenhöhe zu halten. Deutschland dürfe mit seiner Städtestruktur nicht zurückfallen, sondern müsse in die Offensive gehen. „Nur mit einer neuen Strategie der Stadtentwicklung und Raumordnung können wir unsere führende Position im europäischen Kräftespiel erhalten“, mahnt Wiechers. Allein würden Städte und Gemeinden die Aufgaben nicht schultern können. Privat-öffentliche Partnerschaften, wie sie in der Tradition der europäischen Stadt liegen, sieht der Verband als eine Voraussetzung für eine Konsolidierung der öffentlichen Haushalte an. Mit einer chancenorientiert auf Kreativität, Eigeninitiative, Eigentum sowie auf das Ausbalancieren von Konflikten setzenden Stadtentwicklungs- und Strukturpolitik könnten die Probleme gelöst werden.