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Einbahnregelung vor dem Gymnasium - Terror der demokratischen Mehrheit

CSU-Mehrheit beschließt teuren Umbau für einjährige Testphase
20.10.2008

Die geplante Einbahnstraßenregelung vor dem Gymnasium hat auch im Gemeinderat zurecht viel Kritik geerntet. Nur weil einige Eltern sich offensichtlich nicht davon abbringen lassen, ihre Kinder bis vor die Schultür zu chauffieren und damit an Schultagen vielleicht eine Stunde täglich gewisse Engpässe erzeugen, soll der Rest der Bürger das ganze Jahr über unnötig behindert werden. Ganz zu schweigen von den Kosten für einen angeblich einjährigen "Modellversuch".
Auf einer Teilbürgerversammlung soll noch vor Umsetzung umfassend informiert werden. Es bleibt zu hoffen, daß bis dahin Vernunft einkehrt.

Die Einbahnstraßenregelung vor dem Vaterstettener Gymnasium bringt keine Reduzierung des Verkehrs und deshalb auch keine höhere Sicherheit. Wie wär‘s mit einem etwas altmodischen Vorschlag? Gegenseitige Rücksicht könnte das Chaos entzerren. Wenn die Kinder schon zu Hause diese Tugend nicht erlernen, dann könnte man sie im Ethikunterricht zum Thema machen.
Müssen Mütter ihre Kinder unbedingt bis vor die Schultüre fahren? Ein kleiner Fußweg wäre durchaus zumutbar; die S-Bahn-Fahrer müssen auch ein Stück zu Fuß gehen. Das Gewicht der Schulranzen ist kein Argument dagegen. Denn man muss nicht jeden Tag alles in die Schule schleppen.
Kinder müssen lernen, dass die Straße kein Spielplatz ist und die Autofahrer müssen in der kurzen Zeit des Schulbeginns und -endes etwas langsamer fahren. Und schon ist das Problem und zwar völlig kostenfrei gelöst.
Im übrigen ist „Kiss-and-ride“ nicht romantisch, sondern wieder ein Schritt in Richtung Amerikanisierung unserer Sprache, ebenso wie „Shared Space“. Warum nicht "Kurzhalt"? Das ist genau so kurz und verpflichtet niemand zum Küssen.

Ludwig Schichtl

Der Gemeinderat ist mit seiner CSU-Mehrheit der Meinung des sogenannten Runden Tisches gefolgt und hat die Einbahnstraßenregelung abgenickt. Eigentlich unfassbar, dass sich unter 18 CSU-Räten keiner mit einer anderen Meinung in der Sache findet oder den Mut hat, eine eigene Meinung zu äußern (der Terror der demokratischen Mehrheit). Alle anderen Fraktionen, sogar die FDP, fanden sich in einer Koalition der Vernunft gegen die Gefälligkeitsmeinung der CSU.
Diese Einbahnstraßen-Regelung wird nicht funktionieren, sie wird nur kosten und am Ende erneut diskutiert und in einer anderen Variante entschieden werden. Sie gaukelt eine scheinbare Sicherheit vor, schafft durch Überregulierung neue Probleme, die sich wenig entfernt nachteilig auswirken werden. Wer sich vor Ort mit der Situation vertraut gemacht hat, kann dem nicht zustimmen, wenn auch der Elternbeirat das fordert. Und ein Projekt in dieser Art umzusetzen, kann doch nicht dadurch begründet werden, weil es zu einigen Gefahrensituationen gekommen ist, die vermutlich von denen verursacht wurden, die heute vehement für die Sicherheit plädieren.
Das wird doch nicht gelöst durch Markierungen, Umbauten und einen neuen Schilderwald, an den der Bürgermeister selbst nicht glaubt. Schülerinnen und Schüler verhalten sich viel intelligenter, beweglicher in dem vermeintlichen Chaos, das doch deswegen nur reguliert werden soll, um im Gefahrenfall einen Schuldigen namhaft zu machen. Deswegen lehnt zum Beispiel das Landratsamt unter dem Deckmantel „Verkehrssicherungspflicht“ jede Überlegung zum Shared Space ab. Es muss eben alles seine deutsche Ordnung haben. Warum sind die Schüler nicht eingebunden worden, um eine Lösung zu finden? Die wäre vermutlich intelligenter und mutiger gewesen.

Udo Ricke