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| Die Einbahnstraßenregelung
vor dem Vaterstettener Gymnasium bringt keine Reduzierung des Verkehrs und
deshalb auch keine höhere Sicherheit. Wie wär‘s mit einem etwas
altmodischen Vorschlag? Gegenseitige Rücksicht könnte das Chaos
entzerren. Wenn die Kinder schon zu Hause diese Tugend nicht erlernen, dann
könnte man sie im Ethikunterricht zum Thema machen. Müssen Mütter ihre Kinder unbedingt bis vor die Schultüre fahren? Ein kleiner Fußweg wäre durchaus zumutbar; die S-Bahn-Fahrer müssen auch ein Stück zu Fuß gehen. Das Gewicht der Schulranzen ist kein Argument dagegen. Denn man muss nicht jeden Tag alles in die Schule schleppen. Kinder müssen lernen, dass die Straße kein Spielplatz ist und die Autofahrer müssen in der kurzen Zeit des Schulbeginns und -endes etwas langsamer fahren. Und schon ist das Problem und zwar völlig kostenfrei gelöst. Im übrigen ist „Kiss-and-ride“ nicht romantisch, sondern wieder ein Schritt in Richtung Amerikanisierung unserer Sprache, ebenso wie „Shared Space“. Warum nicht "Kurzhalt"? Das ist genau so kurz und verpflichtet niemand zum Küssen. Ludwig Schichtl |
Der Gemeinderat ist mit seiner
CSU-Mehrheit der Meinung des sogenannten Runden Tisches gefolgt und hat die
Einbahnstraßenregelung abgenickt. Eigentlich unfassbar, dass sich unter
18 CSU-Räten keiner mit einer anderen Meinung in der Sache findet oder
den Mut hat, eine eigene Meinung zu äußern (der Terror der demokratischen
Mehrheit). Alle anderen Fraktionen, sogar die FDP, fanden sich in einer Koalition
der Vernunft gegen die Gefälligkeitsmeinung der CSU. Diese Einbahnstraßen-Regelung wird nicht funktionieren, sie wird nur kosten und am Ende erneut diskutiert und in einer anderen Variante entschieden werden. Sie gaukelt eine scheinbare Sicherheit vor, schafft durch Überregulierung neue Probleme, die sich wenig entfernt nachteilig auswirken werden. Wer sich vor Ort mit der Situation vertraut gemacht hat, kann dem nicht zustimmen, wenn auch der Elternbeirat das fordert. Und ein Projekt in dieser Art umzusetzen, kann doch nicht dadurch begründet werden, weil es zu einigen Gefahrensituationen gekommen ist, die vermutlich von denen verursacht wurden, die heute vehement für die Sicherheit plädieren. Das wird doch nicht gelöst durch Markierungen, Umbauten und einen neuen Schilderwald, an den der Bürgermeister selbst nicht glaubt. Schülerinnen und Schüler verhalten sich viel intelligenter, beweglicher in dem vermeintlichen Chaos, das doch deswegen nur reguliert werden soll, um im Gefahrenfall einen Schuldigen namhaft zu machen. Deswegen lehnt zum Beispiel das Landratsamt unter dem Deckmantel „Verkehrssicherungspflicht“ jede Überlegung zum Shared Space ab. Es muss eben alles seine deutsche Ordnung haben. Warum sind die Schüler nicht eingebunden worden, um eine Lösung zu finden? Die wäre vermutlich intelligenter und mutiger gewesen. Udo Ricke |