Freie Wähler und BI begrüßen das Geothermieprojekt - Bürgergesellschaft vorgeschlagen Versorgungssicherheit, ökologische und langfristig auch wirtschaftliche Vorteile 8.12.2009
Freie
Wähler und BI begrüßen grundsätzlich das
Geothermieprojekt, da es nicht nur ökologische, sondern neben
Versorgungssicherheit langfristig auch wirtschaftliche Vorteile bieten
könnte.
Voraussetzung ist ein überzeugendes, nachvollziehbares Konzept,
daß den Bürgern eine nachhaltige, weitgehend preisstabile
Wärmeversorgung garantiert. Deshalb sollte man die in vielen
Nachbargemeinden gemachten Erfahrungen nutzen.
Den möglichen Vorteilen einer Erweiterung durch Zorneding und/oder
Haar stehen auch einige problematische Aspekte gegenüber. Sie
könnte Leitungsverluste und trotz größerer Bohrung
einen höheren Anteil an Zuheizung verursachen, die langfristig ein
höheres Kostenrisiko darstellt als die praktisch kostenlose
Geowärme. Die den verschiedenen Varianten zugrundegelegten
Prämissen müßten deshalb noch transparenter dargestellt
werden.
Auch wir sind der Auffassung, daß das Projekt die Gemeinde
finanziell überfordert. Zudem haben wir Bedenken gegen die
Kommunalgesellschaft als Betreiber. Die mangelnde Transparenz
begünstigt Quersubventionen, d.h.der Verbraucher finanziert dann
möglicherweise über die Heizkosten ein Defizit des Kinos oder
andere Ausgaben. Auch private Betreiber sind problematisch:
Künftige Kostenvorteile kommen evtl. nicht den Bürgern
zugute, wie man an der Entwicklung der Gaspreise sieht.
Deshalb plädieren wir für eine Bürgerbeteiligung, aber
nicht als stille Gesellschafter, sondern als voll stimmberechtige
Teilhaber einer Bürgergesellschaft, wie sie z.B. in Reit im Winkl
realisiert wurde. Auch der Wasserbeschaffungsverband Baldham ist ein
gutes und erfolgreiches Beispiel für eine solche Lösung.
Für die Erkenntnis, daß im Umgang mit knappen Ressourcen
solche Regelsysteme, die von den Betroffenen selbst ausgehandelt
werden, effizienter steuern als privatwirtschaftliche Marktmodelle oder
externe Vorschriften "von oben", gab es in diesem Jahr den Nobelpreis
für Wirtschaftswissenschaften.
Die Bürger sind auch eher als ein kommerzieller Investor bereit,
für ihre Versorgungssicherheit eine etwas geringere Rendite in
Kauf zu nehmen, wenn sie dafür eine langfristige Garantie auf
stabile Heizkosten und die Aussicht auf daraus resultierende Gewinne
haben. Durch die Beteiligung der Gemeinden ist eine günstige
Fremdfinanzierung möglich. Nur in dieser Kombination ist die
Aufbringung der riesigen Investitionssumme zu Konditionen vorstellbar,
die einen Kostenvorteil gegenüber herrkömmlichen Heizsystemen
ermöglichen.
Das Modell einer Bürgergesellschaft schließt nicht aus,
daß man als Betreibergesellschaft einen Energieversorger mit der
nötigen Kompetenz (z.B. EON) als Dienstleister nimmt. Man sollte
auch möglichst schnell einen Anschlußzwang für
Neubauten einführen und die Bürger vor Investitionen in
alternative Heizsysteme warnen. Jeder, der jetzt in eine andere
Technologie investiert, fällt als potentieller Nutzer aus. Deshalb
sollte bald eine Entscheidung fallen, auch im Hinblick auf die derzeit
günstigen Zinsen. Die zögerliche Haltung von Haar, u.a.
bedingt durch das dort betriebene Gasnetz, ist diesem Ziel nicht
dienlich.