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| Wir haben das große Glück, auf 100° warmem
Wasser zu sitzen, das wir für die Heizung unserer Häuser nutzen
könnten. Dies eröffnet uns die Möglichkeit, als Gemeinde
und als Bürger das Heft selbst in die Hand nehmen und unsere zukünftige
Wärmeversorgung unabhängig vom Ölpreis und ausländischen
Lieferanten zu einem günstigen, langfristig kalkulierbaren Preis zu
sichern. Während schon viele Nachbargemeinden wie Pullach, Unterhaching, Sauerlach, Aschheim/Kirchheim oder Unterschleißheim Geothermieprojekte realisiert haben, manövriert die Gemeinde Vaterstetten seit über zwei Jahren unschlüssig hin und her. Angesichts der vorliegenden Erfahrungen müsste es doch möglich sein, die bereits für zigtausende Euro erstellten Modellrechnungen auf ihre Realisierbarkeit zu überprüfen und sich für die aussichtsreichste Variante zu entscheiden. Die Gemeinde allein kann dieses Projekt nicht stemmen. Daneben haben wir aber auch Bedenken gegen die Kommunalgesellschaft als Betreiber. Die mangelnde Transparenz begünstigt Quersubventionen, d.h. der Verbraucher finanziert dann möglicherweise über die Heizkosten ein Defizit des Kinos oder andere Ausgaben. Auch private Betreiber sind problematisch: Künftige Kostenvorteile kommen evtl. nicht den Bürgern zugute, wie man an der Entwicklung der Gaspreise sieht. Deshalb plädieren wir für eine Bürgerbeteiligung, aber nicht als stille Gesellschafter, sondern als voll stimmberechtige Teilhaber einer Bürgergesellschaft, wie sie z.B. in Reit im Winkl oder in Wildpoldsried (siehe Kasten) realisiert wurde oder seit kurzem auch in Markt Schwaben geplant wird. Auch der Wasserbeschaffungsverband Baldham ist ein gutes und erfolgreiches Beispiel für eine solche Lösung. Die Bürger dürften auch eher als ein kommerzieller Investor bereit sein, für eine stabile, nachhaltige und kostengünstige Wärmeversorgung eine etwas geringere Rendite in Kauf zu nehmen, wenn sie dafür eine langfristige Garantie auf stabile Heizkosten und die Aussicht auf daraus resultierende Gewinne haben. |
Voraussetzung für Erfolg:
Transparenz und Offenheit Die Gemeinde Wildpoldsried im Allgäu hat bewiesen, dass man auch ohne gigantische Investitionen auf Kosten der Steuerzahler eine zukunftsfähige Versorgung der Gemeinde mit kostengünstiger regenerativer Energie aufbauen kann. Mit finanzieller Beteiligung der Bürger hat sie u.a. ein Nahwärmenetz und mehrere Windkraftanla-gen installiert. Der Anschlusspreis für das Nahwärmenetz liegt bei rund 8000 €, die laufenden Kosten betragen nur rund die Hälfte des bisherigen Ölverbrauchs. Der Bürgermeister betont, dass die Nachfrage nach Anschlüssen größer ist als seine Möglichkeiten, das Netz auszubauen. Die Windkraftanlagen werden von eigenständigen KG’s betrieben, auch hier gibt es kein Problem, investitionswillige Bürger zu finden. Der Bürgermeister von Wilpoldsried hat anlässlich seines Vortrags hier hervorgehoben, dass er durch Transparenz und Offenheit eine Atmosphäre des Vertrauens in seiner Gemeinde geschaffen hat, durch die sich die Bürger mit dem Projekt identifizieren und dieses tatkräftig unterstützen. |
| Für die Erkenntnis, dass im Umgang mit knappen Ressourcen
solche Regelsysteme, die von den Betroffenen selbst ausgehandelt werden,
effizienter steuern als privatwirtschaftliche Marktmodelle oder externe
Vorschriften "von oben", gab es 2009 den Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften.
Durch die Beteiligung der Gemeinde ist eine günstige Fremdfinanzierung möglich. In dieser Kombination ist die Aufbringung der Investitionssumme zu Konditionen vorstellbar, die einen Kostenvorteil gegenüber herkömmlichen Heizsystemen ermöglichen könnten. Das Modell einer Bürgergesellschaft schließt nicht aus, dass man als Betreibergesellschaft einen Energieversorger mit der nötigen Kompetenz (z.B. EON) als Dienstleister mit aufnimmt. Man sollte vor allem bei größeren Neubaugebieten die Voraussetzungen für einen Anschluss an die Geothermie schaffen, bevor die Bürger in alternative Heizsysteme in-vestieren und damit als potentielle Nutzer ausfallen. Deshalb sollte es bald eine Entscheidung geben, auch im Hinblick auf die derzeit günstigen Zinsen. Ohne die einzelnen bereits bei der Gemeindeverwaltung vorliegenden Rechnungen zu kennen, sind wir überzeugt, dass die Wärmeversorgung mit Geothermie kostengünstiger sein muss als die Wärmeversorgung mit Öl oder Gas, das über tausende von Kilometern hertransportiert werden muss und uns zudem in Abhängigkeit bringt. Auf dem heißen Wasser sitzen wir. Es ist an der Zeit, dass die Bürger aufgeklärt werden. |
In den Neubaugebieten der letzten Jahre hat man es versäumt, von Anfang an ein Fernwärmenetz zu installieren, um dadurch eine bessere Ausgangslage für die Geothermie zu schaffen. Das muss sich ändern. |